Mobilität

PKW

Die zweitgrößte Belastung für die Haushaltskasse einer Familie sowie für die Umwelt und das Klima resultiert aus dem Mobilitätsbedarf. Besonders in einer ländlichen Gemeinde werden viele Wege zur Arbeit, zur Ausbildung, zur Versorgung und zur Freizeitgestaltung mit dem PKW erledigt. Oft ist man sich nicht bewusst, dass selbst wenige tägliche PKW-Fahrten in Nachbarorte während eines Jahres sich zu Fahrleistungen von 3.000 bis 10.000 km oder mehr addieren. Diese zusätzlichen Fahrleistungen verursachen dem PKW-Halter zusätzliche jährliche Kosten von 600 bis 2.000 €, einen Treibstoffverbrauch von 200 bis 650 Liter und führen zu einem CO2-Ausstoß von 0,4 bis 1,2 t/a.

Insgesamt errechnet sich für den Daisendorfer Energiebedarf 2014 für den Verkehr eine Energiemenge von ca. 9000 MWh/a. Das entspricht 32 % des Gesamtenergiebedarfs und ist mit rund 60 % der zweitgrößte Energieverbrauchsposten nach dem Wärmebedarf (siehe Energiesituation). Da dieser Energiebedarf fast ausschließlich mit Mineralöl gedeckt wird, ist der Verkehr auch der zweitgrößte Belastungsfaktor für die Umwelt und das Klima.

Elektromobilität

Da die technischen Maßnahmen zur Minderungen des Kfz-CO2-Ausstoßes schon heute an ihre Grenzen stoßen, kann eine künftige nachhaltige Mobilität nur erreicht werden durch eine beschleunigte Einführung und Weiterentwicklung alternativer Kfz-Antriebe auf der Basis erneuerbarer Energien. Damit einhergehend sollte eine sinnvollere Kfz-Nutzung angestrebt werden Zwar setzen inzwischen alle Kfz-Hersteller auf Elektro- und Hybridantriebe in den gehobenen Modellklassen, aber bei der Einführung preisgünstiger Modelle für den privaten Nah- und Mittelstreckenverkehr und als Zweitwagen gibt es Nachholbedarf. In den letzten Jahren wurden wesentliche Fortschritte in der Stromspeichertechnik erzielt. In vorteilhafter Weise kommt die Entwicklung der Stromspeicher für den Kfz-Verkehr dem Ausbau der Solar- und Windstromerzeugungskapazitäten entgegen. Da diese auf zusätzliche Speicherkapazitäten angewiesen sind, können stark schwankende Energieangebote und Nachfragen im Stromnetz ausgeglichen werden. Die steigende Nachfrage nach Speicherbatterien für die Solarstrom-
speicherung wird letztlich auch bei den Antriebsbatterien für Elektrofahrzeuge zu Preissenkungen führen und damit die Akzeptanz fördern.
Neben den wirtschaftlichen Vorraussetzungen ist ein ausreichend dichtes Netz von Ladesäulen für E-Fahrzeuge eine wichtige Vorraussetzung für die Entwicklung der Elektromobilität. Das wurde inzwischen von Bund und Ländern erkannt, so dass der Ausbau dieses Netzes in allen Regionen gefördert wird.



E-Ladesäule für Daisendorf

Aus oben genannten Gründen hat auch die Gemeinde Daisendorf entschieden, durch Einrichtung einer eigenen vom Bundesverkehrsministerium geförderten Ladesäule an dem Projekt emma des Bodenseekreises teilzunehmen.

Durch das emma-Projekt (e-mobil-mit-Anschluss) gibt es im Bodenseekreis mittlerweile eine Vielzahl von Ladesäulen, davon einige mit dort stationierten Carsharing-Fahrzeugen (Liste hier) die auch Besitzern eines eigenen Elektrofahrzeugs zur Verfügung stehen. Die Daisendorfer Ladesäule für 2 PKW wurde an dem Parkplatz bei der Einmündung des Oberriederwegs in die Meersburger Strasse gegenüber der Kapelle errichtet. Der Ladestrom kommt zu 100% aus erneuerbaren Energien und wird von den Stadtwerken am See vorerst bis Juni 2016 kostenfrei für jeden angemeldeten privaten Kfz-Besitzer oder Carsharing-Nutzer mit einer Gratis-Chipkarte zur Verfügung gestellt. Diese persönlichen Chipkarten können den Bürgern und Gästen in Tourismusbüros und auch im Daisendorfer Rathaus ausgegeben werden. An der Ladesäule befinden sich zusätzlich 2 Ladesteckdosen für Elektroräder.

Private Mitfahr- und Carsharing-Gemeinschaften

Der einfachere und kurzfristig umsetzbare Weg zur Entlastung der Umwelt und der Haushaltskasse ist die Reduzierung von PKW-Fahrten durch effizientere Nutzung der PKW-Fahrten (z.B. PKW-Mitfahrgemeinschaften, Carsharing) und die häufigere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Für Kurzstrecken bietet sich die Nutzung des Fahrrads an. Besorgungen im Nahbereich lassen sich oft auch zu Fuß erledigen.

PKW-Mitfahrgemeinschaften
Mitfahrer für regelmäßige PKW-Fahrten zur Arbeit, Ausbildungsstelle oder auch für unregelmäßige und kurzfristige Fahrten können heute über das mobile Internet (Smartphone s.u.) bequem, flexibel und zeitnah organisiert werden. Hierzu gibt es bereits Beispiele für regional orientierte Mitfahrzentralen. Ebenso kann eine Gruppe von interessierten Bürgern eine offene lokale oder regionale Internetplattform zur Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten besonders für Pendlerverkehre organisieren. Beispielhaft wäre hierzu die bereits existierenden bundesweiten Plattformen www.mitfahrgelegenheit.de, www.blablacar.de und www.mitfahren.de für die es auch Smartphone-Apps gibt.

Carsharing
Für Bürger, die nur gelegentlich ein Auto benötigen (z.B. weil sie in der Regel den Öffentlichen Nahverkehr benutzen oder weil sie keinen Zweitwagen besitzen), bilden sich in Deutschland immer mehr örtliche Carsharing-Gemeinschaften. Dieses Modell kann aus oben genannten Gründen auch für Daisendorfer Bürger eine interessante Alternative zum eigenen PKW oder Zweitwagen sein, so dass die Bildung von Initiativen in diese Richtung unterstützt wird. Hierfür bietet sich die Benutzung von Internet-Plattformen mit Smartphone-Apps an, wie z.B. www.tamyca.de oder www.nachbarschaftsauto.de.
Diese Portale eignen sich auch für private Nachbarschaftsgruppen, die einen oder mehrere Privat-PKW an vereinbarten Abstellplätzen für einen begrenzten Personenkreis zu vorgegebenen Zeiten und mit begrenzten km-Zahlen zu selbstgewählten Benutzungsgebühren zur Verfügung stellen wollen. Damit wird die Verwaltung der PKW, die Anmeldung, Buchung, aber auch die vertragliche Regelung, der Zahlungsverkehr und vor allem der Versicherungs-
abschluss geregelt. Musterverträge stellt z. B. der Verkehrsclub Deutschland www.vcd.org zur Verfügung.

Daneben stehen im Bodenseekreis an einigen ausgewählten Parkplätzen (z.B. an Bahnhöfen) auch die oben erwähnten E-Carsharing-Fahrzeuge des emma-Projekts-zur Verfügung, die über www.friedrichshafen.de/wirtschaft-verkehr/emma oder über www.flinkster.de gebucht werden können.



Öffentliches Nahverkehrsangebot

Auf der Internetseite der Gemeinde www.daisendorf.de und auch im Gemeindemitteilungsblatt sind die Fahrpläne der Verkehrsangebote für Daisendorf veröffentlicht. Daisendorf ist im Rahmen des BODO-Fahrplanverbundes durch die Buslinie Meersburg – Daisendorf – Uhldingen – Mühlhofen und Meersburg - Daisendorf-Bermatingen - Markdorf mit insgesamt werktäglich 16 Abfahrten an die Nachbarorte und die regionalen Zug-, Bus- und Fähr-/Schiffsverbindungen angebunden, allerdings nicht außerhalb der Schultage. Die Verbindung Daisendorf - Meersburg wird durch den Stadtbus-Pendelverkehr mit ca. 4 Abfahrten pro Tag ergänzt. Dieses Angebot gilt leider nur im Sommerhalbjahr.
Umso wichtiger ist, dass das über die Region hinaus beispielhafte System AnrufSammelTaxi (AST) durch die Initiative der beteiligten Gemeinden (darunter Daisendorf) weitergeführt und organisatorisch weiter verbessert wird. Dieses Angebot bietet durch seine Nachfrage-gesteuerte Betriebsweise (telefonische Anmeldung erforderlich) in Verbindung mit seinem dichten Netz von vielen ausgewiesenen Haltepunkten und dem 2-stündlichen Fahrplantakt (besonders auch spät abends) einen attraktiven, Taxi-ähnlichen Fahrdienst mit einem Komfortzuschlag von 1,50 bzw. 2,00 € zum regulären BODO-Tarif. Die AST-Linie 682 führt täglich 8 mal von Meersburg über Daisendorf nach Mühlhofen und zurück. Das Ziel der öffentlichen Nahverkehrsplanung für den Raum Meersburg – Daisendorf – Uhldingen-Mühlhofen und Bermatingen – Markdorf ist es, durch weitere Integration der bestehenden Angebote und durch sinnvolle Ergänzungen und Optimierung ein benutzerfreundliches Fahrplanangebot (etwa im 1-Stundentakt) zu erreichen. Mit einem solchen Qualitätssprung sind erfahrungsgemäß auch höhere Fahrgastzahlen zu erwarten, so dass sich damit auch die Kostendeckungsgrade verbessern lassen.
Zur höheren Attraktivität des ÖNV gehört die verbesserte Werbung und Information. So wurde bereits erreicht, dass die Fahrplaninformationen der Linien für Daisendorf vereinheitlicht in einem eigenen Fahrplanheft für Daisendorf zur Verfügung stehen. Sie sind ebenso über Internet unter www.bodo.de und www.db.de abrufbar, neuerdings auch als Smartphone-App.

Fahrrad

Die Bodenseeregion ist eine der bekanntesten Ferienregionen für den Fahrradtourismus. Auch die Einwohner können durch die Fahrradbenutzung auf Kurzstrecken viele PKW-Fahrten einsparen. Allerdings entspricht das Radwegenetz an allen wichtigen Strecken und Verknüpfungen noch nicht den wünschenswerten Sicherheitsstandards, besonders im Hinblick auf die Gefährdung von Schulkindern und älteren Personen. Für die für Daisendorfer überaus wichtige Verbindung zwischen Daisendorf und Meersburg ist letztes Jahr eine separate Radwegverbindung geschaffen worden. Aber auch die Weiterführung und Verbindung der außerörtlichen Radwege zu den innerörtlichen Hauptrouten und die Ausgestaltung der Übergänge sollten künftig durchgängig verbessert werden, um den Radverkehr nachhaltig zu fördern und vor allem sicherer zu machen.

Elektro-Fahrrad
Fahrräder mit Elektrohilfsantrieb werden bei den Einwohnern und Touristen von Daisendorf immer beliebter. Die zahlenmäßig schnelle Verbreitung gilt als wichtiger Einstieg in das Zeitalter der generellen Elektromobilitität. In Daisendorf stellen die Steigungen der meisten Wege eine körperliche Herausforderung dar, die viele davon abhält, die Vorteile des Fahrrads zu nutzen. Hier bieten die heute verfügbaren verschiedenen Varianten der Elektro-Fahrräder eine willkommene Erleichterung. Da Touristen oft nicht ihr eigenes Elektro-Fahrrad mitbringen (können), besteht im Bedarfsfall die Möglichkeit, Leihfahrräder von privaten Fahrradvermietern anzumieten und anliefern zu lassen. Die Buchung kann telefonisch oder über Internet erfolgen (z.B. www.fahrradshop24.com).

Nahversorgung

Die Erhaltung des ortsnahen Einkaufsmarktes stellt eine wichtige Maßnahme dar, die den Bürgern viele PKW-Kilometer, Kosten und Umweltbelastungen erspart. Daher sollten die Einwohner und die Gemeindeverwaltung alles daran setzen, den bestehenden Einkaufsmarkt zu nutzen und dadurch zu erhalten.